Die neue Hugo-Mayer-Orgel für St. Kastor in Koblenz

Orgelweihe
mit Orgelvorstellung und anschließendem Konzert
von Domorganist Josef Still
am 2. November 2014, 17 Uhr

Disposition, Bericht in der Saarbrücker Zeitung

Die kulturgeschichtlich bedeutende Basilika St. Kastor in Koblenz erhält eine, der Würde des Kirchenraums entsprechende, neue Pfeifenorgel. Die Konzeption dieses Instruments ist eine Symbiose aus zeitgenössischer Architektur und der über tausendjährigen Tradition des Orgelbauhandwerks.

Der Entwurf des Orgelgehäuses stammt aus der Feder von Prof. Ulrich Hahn vom namhaften Architekurbüro Hahn und Helten aus Aachen. Herr Prof. Hahn war in Zusammenarbeit mit Orgelbaumeister Stephan Mayer sehr darauf bedacht, auf der einen Seite die Proportion der Orgel so zu wählen, dass sie das Gleichgewicht der Architektur des Kirchenraumes nicht stört und auf der anderen Seite aber auch die musikalischen und konstruktiven Erfordernisse des Orgelbaus gewahrt werden.

Die neue Orgel besitzt 4 Manuale mit einem Tonumfang von jeweils 58 Noten und einem Pedal, das einen Tonumfang von 32 Noten besitzt. Das Instrument verfügt über 52 Registerspiele, die sich aufteilen in 44 klingende Register mit eigenständigen Pfeifenreihen, 7 Registerauszüge und 1 Pedaltransmission. Die Registerauszüge besitzen je 12 eigene Pfeifen, die übrigen Töne werden dabei aus anderen Registern des Pedalwerks entliehen. Die Transmission ist eine technische Vorrichtung, die es ermöglicht die Pfeifen des Praestant 16‘ aus dem Hauptwerk, ohne die Benutzung von Koppeln, auch im Pedal zu spielen.

 


 

1. Arbeitsphase (Werkstatt)

  

Die Konzeption einer Orgel dieser Größe mit 4 Manualen ist sehr selten. Auf diese Weise steht dem Orgelspieler eine sehr große Bandbreite an spielerischen Möglichkeiten zur Verfügung, um seine musikalische Darbietung für Gottesdienste und Konzerte gleichermaßen zu gestalten.

Klanglich orientiert sich das neue Instrument am Typ der „symphonischen Orgel“. Dies bedeutet, dass der Orgelklang im Wesentlichen orchestral geprägt ist: Klangverschmelzung und eine expressive Dynamik zeichnen diesen Orgeltypus aus. Jedoch wird bei der Intonation der neuen Orgel ebenso großen Wert auf eine ausgeprägte Einzelcharakteristik der Stimmen gelegt, denn bloße Klangverdopplungen bedeuten Einschränkungen in der Vielfalt der Klänge.

Das Pfeifenwerk der Orgel besteht aus insgesamt 3.679 einzelnen Pfeifen. Davon sind 298 Stück hauptsächlich in Eiche und Tannenholz hergestellt. Die Metallpfeifen bestehen aus einer Zinn-Blei-Legierung. Davon 172 Stück mit 82%-Zinnanteil, 2.763 Stück mit 75%-Zinnanteil und 446 Stück mit 40%-Zinnanteil. Die unterschiedlichen Pfeifenmaterialien dienen dazu die Klangcharakteristiken der einzelnen Register schon durch die Materialauswahl zu prägen. Die größte Pfeife der Orgel steht sichtbar im Prospekt: es ist das C des Registers Principalbass 16‘ mit einer Gesamtlänge von 6 m. Die kleinste Pfeife steht im Register Cymbel III 1‘ mit einer Tonlänge von nur 5 mm. Der tiefste Ton der Orgel ist das C des Untersatz 32‘ mit einer Frequenz von 16 Hz. Diese Tonhöhe liegt an der unteren Hörgrenze des Menschen. Die ersten 12 Pfeifen dieses Pedalregisters sind in einer eigenen Kammer unter dem Dachboden des nördlichen Obergardens untergebracht. Der Schall gelangt durch 2 Öffnungen in der Nordwand des Hauptschiffs, seitlich rechts neben der Orgel, in den Kirchenraum.

Das Orgelgehäuse ist in ausgesuchtem Eichenholz hergestellt. Die langjährige natürliche Trocknung verleiht diesem Holz seine besondere Widerstandsfähigkeit für klimatische Schwankungen. Die Holzoberflächen sind weiß lasiert, was den natürlichen Dunklungsprozess des Eichenholzes reduziert und dem Orgelprospekt, trotz seiner beachtlichen Größe von 9 m in der Breite, 7,95 m in der Höhe und 2,6 m in der Tiefe, eine optische Leichtigkeit verleiht.

Obwohl die neue Orgel auf den mechanischen Techniken des traditionellen Pfeifenorgelbaus beruht, besitzt sie auch sehr moderne elektrische Spielhilfen, welche dem Orgelspieler die umfangreiche Bedienung eines solchen Instruments wesentlich erleichtern. Dazu gehört eine Setzeranlage, die mit Hilfe eines am Spieltisch eingebauten Touchscreens bedient wird. Damit kann der Orgelspieler viele unterschiedliche Registerzusammenstellungen, die er zum Spielen einzelner Musikstücke benötigt, zuvor in einem Computer abspeichern und diese dann später per Knopfdruck abrufen. Ein weiteres Highlight der Orgel ist die eingebaute Aufnahme und Wiedergabe-Funktion. Damit lässt sich z.B. das Orgelspiel eines Konzertorganisten aufnehmen, d.h. alle dabei benutzten Funktionen von der Registerauswahl, über die Tonfolgen bis hin zur Steuerung der Schwellerjalousien wird vom Computer aufgezeichnet. Danach kann die Orgel selbstständig diese Aufnahme exakt wiedergeben.

Dies sind nur einige Punkte, welche die neue Orgel von St. Kastor zu einem regional, wie überregional, sehr einzigartigen Instrument machen.

 

Endmontage in St. Kastor

  


 

Intonation in St. Kastor

 


 

Orgelweihe in St. Kastor