Hugo Mayer
Hugo Mayer wurde als 6. Kind einer Handwerkerfamilie am 21.1.1912 in Wengen/Allgäu geboren. Von 1927 bis 1930 absolvierte er seine Lehre im Orgelbauerhandwerk. Seine Gesellentätigkeit führte ihn in den Jahren 1930 bis 1940 quer durch Europa. Nach der Kriegsgefangenschaft in Rußland kehrte Hugo Mayer in seinen geliebten Beruf zurück und legte 1948 die Meisterprüfung ab. Noch im selben Jahr wurde er Betriebsleiter der damals größten Orgelbau-Firma Deutschlands. 1952 gründete Hugo Mayer seine eigene Werkstatt in Brebach bei Saarbrücken. Dort baute das junge Unternehmen mit circa 20 Mitarbeitern noch vorwiegend Orgeln mit elektrischer Traktur und Registerkanzellenladen. Im Jahre 1957 wurde die Werkstatt in größere Räume nach Heusweiler, dem heutigen Firmensitz, verlagert. Man gab das System der Registerkanzellenladen auf und baute fortan Orgeln mit Schleifladen und vorwiegend mechanischen Trakturen. Es wurde großen Wert auf die Ausbildung von jungen Fachkräften aus der saarländischen Region gelegt. Seit dieser Zeit erlebt die Orgelbauwerkstatt eine stetige Aufwärtsentwicklung und gilt als gute Adresse im In- und Ausland.
Gerd Mayer
Gerd Mayer trat 1957 als Auszubildender in die Werkstatt seines Vater ein. Als Orgelbauer war er u.a. in Frankreich und Amerika tätig und legte 1966 als jüngster deutscher Orgelbaumeister die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer in Stuttgart ab. Sein besonderes Interesse gilt dem Studium der Orgel-Architektur und der Technik der historischen Orgelwerke. 1974 übernahm Gerd Mayer die Leitung der Werkstatt von seinem Vater Hugo. Sein Bestreben ist es, die saarländische Orgeltradition als Synthese überlieferter Handwerkskunst und moderner Fertigungstechnik weiterzuführen und den guten Ruf der "Mayer-Orgel" weiter zu festigen. Aufgrund seiner großen Erfahrungen im Bereich der Restauration von Orgeln, insbesondere von pneumatischen und mechanischen Instrumenten, wurde Herr Orgelbaumeister Gerd Mayer im Mai 2001 mit dem Titel "Restaurator im Orgelbau" von der Handwerkskammer Stuttgart ausgezeichnet.
Sigrid Mayer
Nach dem Abitur absolvierte Sigrid Mayer, geb. Dawo, eine Lehre zur Kauffrau. Sie trat mit der Eheschließung mit Gerd Mayer 1966 in das Familienunternehmen ein. Über Jahrzehnte leitete sie die kaufmännische Abteilung. Ihre Arbeitsbereiche waren die Lohn- und Finanzbuchhaltung, das Personalwesen, die Planung des Außendienstes und dessen Koordination. Ihr Credo war und ist es auch heute noch: wo immer Sie gebraucht wird mit ganzer Kraft und Stärke einsetzbar zu sein. Dies verlieh ihr großen Respekt sowohl bei Kunden, als auch bei allen Mitarbeitern. Sigrid Mayer war GmbH Gesellschafterin von 1973 bis zu ihrem Ruhestand und Ausscheiden im Jahre 2008.
Stephan Mayer
1989 begann Stephan Mayer nach dem Ablegen der allgemeinen Hochschulreife und dem Ableisten seines Wehrdienstes eine gründliche Ausbildung zum Beruf des Orgelbauers in einer bekannten süddeutschen Orgelbauwerkstatt. Im Anschluß absolvierte er eine Ausbildung zum CAD-Spezialisten mit dem Ziel, diese Technik in den Orgelbau einzubringen. 1992 trat Stephan Mayer, als nun dritte Generation, in den elterlichen Betrieb ein, wo er zunächst in den Bereichen Montage, Restauration, Wartung und Intonation arbeitete, um Erfahrungen auf diesen Fachgebieten sammeln zu können. Danach wechselte er in die Konstruktions- und Entwurfsabteilung und führte die CAD-Technologie in das Unternehmen ein. 1996 legte Stephan Mayer seine Meisterprüfung, ebenfalls vor der Handwerkskammer Stuttgart, ab und leitete danach die Neubau-Abteilung in dem Familienunternehmen. Seit 2009 ist er alleiniger Gesellschafter und übernahm die Leitung des Unternehmens von seinem Vater Gerd.
Weltweit tätig
Nach einer Vakanz von einem halben Jahrhundert hat sich mit der Heusweiler Werkstatt „Orgelbau Hugo Mayer” dieses traditionsreiche Handwerk wieder im Saarland fest etabliert.
Nun bereits in der dritten Generation werden hier in Heusweiler Instrumente auf einem hohen Qualitätsstandard konzipiert und gebaut. Die Einflüsse der „Mayer-Orgeln” sind in den angrenzenden Regionen Rheinland-Pfalz, der Nachbarregion Württemberg-Baden, ebenso wie im westlichen Nachbarland Frankreich mit Elsaß und Lothringen zu erkennen. Jedes gebaute Instrument stellt ein individuelles Unikat für den betreffenden Raum dar. Architektur, Platzverhältnisse und Akustik stellen bei jeder Orgel die höchsten Anforderungen an den Erbauer. Wenngleich die Gesetzmäßigkeiten der Proportionen an den Orgeln des 18. Jahrhunderts noch leicht abzulesen waren, so macht es der heute geltende Pluralismus dem zeitgenössischen Orgeldesigner schwer, Orgelgehäuse nach den handwerklich ästhetischen Grundsätzen zu entwickeln, oft genug stoßen wir hier an die Grenzen der recht oft ausschließich auf technischen Grundsätzen der Vernunft basierenden Architektur moderner Kirchenräme. Hier müssen wir Profil und oft Einfallsreichtum zeigen. Das sind Anforderungen, die unseren Beruf, weitab von Bits und Bytes, so überdurchschnittlich interessant machen.
Neben dem Neubau von Instrumenten haben auch die Orgelpflege und die Restauration von historischen Orgeln einen hohen Stellenwert in unserem Unternehmen.
Eine eigene Abteilung aus versierten Meistern und Technikern sichert den Bestand der alten Überlieferungen. Umfangreiche Restaurationen werden ausführlich dokumentiert und so sind die vorgenommenen Arbeiten für die späteren Generationen nachvollziehbar. Die Hugo Mayer Orgelbau GmbH in Heusweiler beschäftigt 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Familienunternehmen ist weit über die Grenzen des Heimatlandes hinaus bekannt. Obwohl schwerpunktmäßig im inländischen Markt tätig, erklingen Orgeln aus Heusweiler auch in Frankreich, Luxemburg, Belgien, Italien, Spanien, Norwegen, Schweden, Amerika, Israel, Kroatien, Mexiko, Südkorea, Russland und Kasachstan.
Suche nach Neuem
Betrachtet man den Werdegang der Geschichte des Orgelbaus, so stößt man zwangsläufig auf den Namen Aristide Cavaillé-Coll. Dieser 1811 geborene Meister seines Faches strebte sein Leben lang danach, die traditionellen Verfahren und Orgelbautechniken zu überprüfen, wenn nötig zu verbessern und mit den neuen Techniken seiner Zeit zu verknüpfen. Cavaillé-Coll schuf ein Klangbild, das zeitgenössische Komponisten wie César Franck, Charles-Marie Widor und später Louis Vierne, zum Vorbild der gesamten romantischen Schule machten. Viele seiner Erfindungen finden heute wie selbstverständlich im Orgelbau Verwendung.
Diese Lebensmaxime Cavaillé-Colls, alte Traditionen zu bewahren und nach Neuem zu streben, um Fortschritte zu ermöglichen, muß sich der „moderne Orgelbau” zu eigen machen. Aber Fortschritt darf letztlich kein Rückschritt sein, sondern er muß immer der Vervollkommnung des Instrumentes Orgel dienen, um den Musikern und Komponisten Anreiz zu bieten und Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Von der Planung bis zur Fertigstellung
Wir setzen auf bewährte Traditionen. „Mayer-Orgeln” besitzen vornehmlich selbsttragende Massivholzgehäuse, die eine sehr kompakte Bauweise ermöglichen, und in denen die mechanischen Schleifladen auf statisch berechneten Holzlagern ruhen. Aufgrund der Verwendung moderner Werkstoffe sind unsere Windladen unempfindlich gegen klimatische und heizungsbedingte Feuchtigkeitsschwankungen und daher von sehr hoher Lebensdauer. Die Ladenbohrungen, Kanzellenquerschnitte und ebenso die Tonventile sind computerberechnet, um eine optimale Windversorgung der Pfeifen zu sichern. Unsere mechanischen Trakturen sind mit Begleitabstrakten versehen, die das Arbeiten der Holzabstrakten bei Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgleichen und somit ein präzises Spiel gewährleisten. Ebenso lässt sich der Tastendruckpunkt ganz nach persönlichem Geschmack einrichten. Voraussetzung für präzise Mechaniken, hohe Klangqualität und eine harmonische Architektonik ist eine gründliche und innovative Planung des Instrumentes. Gerade in diesem Bereich stehen uns heute eine Vielzahl von Mitteln zur Verfügung. Wir entwerfen und konstruieren unsere Orgeln mit CAD-Technik. Dies erlaubt zum einen eine genaue und detaillierte Konstruktion, zum andern können wir nach den Vorstellungen unserer Kunden anschauliche Entwurfsvarianten ausarbeiten, die als echte Entscheidungshilfen dienen können. Aufgrund der hohen Qualität der Werkstoffe und der angewandten Techniken haben unsere Orgeln heute eine Lebensdauer von mehreren Jahrhunderten. Daher obliegt uns als Orgelbauer eine große Verantwortung, denn die Instrumente, die wir heute bauen, sollen auch morgen noch eine musikalische Bereicherung für die uns nachfolgenden Generationen sein. Wir möchten Sie herzlich zu einem Besuch in unsere Werkstätten nach Heusweiler einladen, damit Sie persönlich einen Eindruck von unserer Arbeit bekommen.